In der Kritik: Tarifverträge, die schlechter sind als gesetzliche Regelungen

Am 21.09.2017 veröffentlichte die "Neue Osnabrücker Zeitung" einen Beitrag, der die Aufweichung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) durch Tarifverträge zum Inhalt hatte. Titel: "Gesetz als Mogelpackung?" - Untertitel: "Metallindustrie unterläuft Regeln zu Leiharbeit". link

Zum Abschluss eines Tarifvertrages benötigt man mindestens zwei Partner. Und bei den Tarifverträgen zur Leih- und Zeitarbeit (TV LeihZ) ist oftmals einer der Partner unsere IG Metall.

Das AÜG sieht aktuell eine Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten vor. Die neuesten Tarifverträge zwischen Arbeitgeberverbänden und der IG Metall ermöglichen allerdings bis zu 48 Monate Einsatz in nur einem Entleihbetrieb. Das hat weder etwas mit "vorübergehenden Einsatz" noch mit dem "Abfangen von kurzfristigen Auftragsspitzen" noch mit der Vertretung für fest angestellte KollegInnen zu tun, die, aus welchen Gründen auch immer, für eine absehbare Zeit ausfallen.

Die Absicherung von Industriestandorten, und damit auch die Absicherung der Arbeitsplätze von Stammbeschäftigten, steht hier gegen die vielfach formulierte Forderung nach gleichem Geld und gleichen Rechten für Leiharbeitskräfte - ab dem 1. Tag! Für viele betroffene KollegInnen stellt sich die Frage: Bin ich KollegIn zweiter Klasse? Ist ein Stammbeschäftigter vielleicht doch "gleicher" als eine Leiharbeitskraft?

Hier ist eine gründliche innergewerkschaftliche Diskussion von Nöten!

Aufhänger für den Artikel war eine Anfrage der GRÜNEN-Abgeordneten Beate Müller-Gemmeke zur Höchstüberlassungsdauer und die Antwort des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Hier nachzulesen: pdf