Tarifverhandlungen Leiharbeit beendet?

Tarifabschluss Leiharbeit: Jetzt sind die Mitglieder der Tarifkommissionen der Einzelgewerkschaften am Zug!

„Bei den aktuellen Tarifverhandlungen für die Zeitarbeitsbranche konnten sich die Arbeitgeberseite und die Gewerkschaften auf einen neuen Tarifabschluss einigen. Die neu tarifierten Entgelterhöhungen – basierend auf den Entgelten der BAP- und iGZ-Tarifwerke mit der DGB-Tarifgemeinschaft – steigen zum 1. März 2017, zum 1. April 2018, zum 1. April 2019 sowie zum 1. Oktober 2019 – jeweils für die Tarifgebiete Ost und West. Dabei steigen die Entgelte im Westen jährlich zwischen 2,5% und 3,2%. Im Osten steigen sie jährlich bis zu 4,82%. Die vollständige Ost-West-Angleichung in allen neun Entgeltgruppen erfolgt zum 01.04.2021. Die Entgelttabelle Ost entfällt zu diesem Zeitpunkt. (…)“

So die Darstellung von Seiten der Arbeitgeberverbände iGZ und BAP.

Der DGB erklärte nach dem Tarifabschluss vom 30. November:

„Wir haben seit Dienstag mehr als 24 Stunden Non-Stop verhandelt und eine deutliche Erhöhung der Entgelte erreicht. Der Kompromiss enthält viel von dem, was wir gefordert hatten. Die Gewerkschaften haben die vollständige Ost-West-Angleichung ab 2021 sowie eine überproportionale Anhebung der unteren Entgeltgruppen durchgesetzt. (…) Eine Besonderheit des Tarifabschlusses ist die Aufwertung der unteren Entgeltgruppen durch eine überproportionale Erhöhung der Entgelte. ‚Am Ende der Laufzeit werden sich die Tarife in der Leiharbeit deutlich vom gesetzlichen Mindestlohn entfernt haben. Das war uns besonders wichtig.’ Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 36 Monaten und endet zum 31.12.2019. Die Tarifkommissionen der Gewerkschaften werden das Ergebnis nun beraten.“ (siehe auch Tarifinformationen der IG Metall vom 6.12.2016 pdf )

Moment mal!

Die Forderungen der DGB-Tarifgemeinschaft haben gelautet:

6% mehr Geld, mindestens aber 0,70 € pro Stunde mehr, das Ganze für zwölf Monate.

Und die Angleichung der Ost-West-Entgelte.

Logisch ist, dass man bei Verhandlungen am Ende nie das herausbekommt, was man ursprünglich gefordert hat – keine Frage. Was ist aber von den ursprünglichen Forderungen der DGB-Tarifgemeinschaft zur Leiharbeit übrig geblieben?

Leiharbeitskräfte fragen sich: Läuft hier eine „Schönrechnerei“?

Im „Osten“ sollen die Löhne und Gehälter jährlich bis auf 4,82% steigen. Diese 4,82%ige Erhöhung ist aber eine Mogelrechnung. Die Berechnungsbasis sind die 8,50 € Mindestlohn aus diesem Jahr. Da aber der gesetzliche Mindestlohn ab Januar 2017 auf 8,84 € steigt (das entspricht einer Erhöhung um 4% !) und muss auch in der Leiharbeit ab Januar bezahlt werden - ganz ohne Tarifverhandlungen. Die 4% sind dem gesetzlichen Mindestlohn ab Januar 2017 geschuldet. Bleibt also eine Tariferhöhung ab 01. März 2017 von 0,8%.

Die Forderung der DGB-Tarifgemeinschaft war 70 Cent mindestens. Herausgekommen sind 7 Cent!

Und was die Laufzeiten der „Ostangleichung“ betrifft: Das erste Angebot der Arbeitgeberverbände waren 48 Monate ab dem 01. Juli 2017. Also 54 Monate. Herausgekommen sind 51 Monate.

Bei der Laufzeit des Entgelt-Tarifvertrages mit 36 Monaten ist in der DGB-Presseerklärung nicht erwähnt, dass es für die Entgeltgruppen E3 bis E9 in den ersten zwei Monaten eine Nullrunde geben soll.

Was sagen die Mitglieder der Tarifkommissionen unserer Einzelgewerkschaften zu dieser „Schönrechnerei“?

Hier fallen die nächsten Entscheidungen, das Verhandlungsergebnis ist noch nicht der Abschluss der Tarifverhandlungen!

Die Tarifkommissionen der Einzelgewerkschaften sind jetzt gefragt!

Die Erklärungspflicht läuft am 31. Januar 2017 ab!