Hamburg

„Sie wächst und gedeiht, die Leiharbeit“ (Prof. Stefan Sell, Hochschule Koblenz)

Regelmäßig veröffentlich die Bundesagentur für Arbeit einen Bericht über die Lage der Leiharbeitsbranche - bei der BA als „Zeitarbeit“ tituliert. Die neuste Ausgabe von Aktuelle Entwicklungen der Zeitarbeit wurde nun im Juli 2017 publiziert. In der Zusammenfassung des neuen Berichts bilanziert die BA bekannte Strukturmerkmale:

„Im Jahr 2016 waren 991.000 Leiharbeitnehmer in Deutschland sozialversicherungspflichtig oder ausschließlich geringfügig beschäftigt. Der Anteil der Leiharbeitnehmer an der Gesamtbeschäftigung liegt bei knapp 3 Prozent. Mehr als jeder zweite Leiharbeiter übt eine Helfertätigkeit aus (bei allen Beschäftigten: jeder Fünfte). (...)“ weiter

Mindestens 300 Leiharbeiter mehr als 10 Jahre im Einsatz bei Airbus

Unterschriftensammlung für die Festanstellung von LAKs "Ü10"

Von ca. 2500 Leiharbeitskräften im Einsatz bei Airbus in Hamburg sind mindestens 300 seit über 10 Jahren im Betrieb. Für ihre Festanstellung sammelten Vertrauensleute der IG Metall Unterschriften. Über diese Aktion berichtet der aktuelle direktflug, die Zeitung der Vertrauenskörperleitung der IG Metall bei Airbus in Hamburg. pdf

Sommerferien 2017

Der Arbeitskreis Menschen in Zeitarbeit (AK MiZ) trifft sich üblicherweise jeden 2. Montag im Monat um 17:00 Uhr in der Geschäftsstelle der IG Metall. Jetzt fallen aber zwei Treffen aus.

Erstes Treffen nach den Sommerferien: Mo. 11. September, 17:00 Uhr

in der Geschäftsstelle der IG Metall Region Hamburg

Ebene 12, Großes Sitzungszimmer, Besenbinderhof 60, 20097 Hamburg

Kontakt:

akmiz-hamburg[at]igmetall-zoom.de

stefanie.hampe[at]igmetall.de

 

Wegweisendes Urteil des Bundesarbeitsgerichtes

Branchenzuschläge gelten auch für Leiharbeiter bei Dienstleistern

Mit den Tarifverträgen der IG Metall erhalten LeiharbeiterInnen in der Metall- und Elektroindustrie, in der Holz- und Kunststoffindustrie und in der Textilindustrie sogenannte Branchenzuschläge auf ihren normalen Zeitarbeitstarif. Leiharbeitskräften bei Dienstleistern wurden die Branchenzuschläge jedoch bislang oft verweigert. Begründung: „Ihr seid nicht in der Metallindustrie eingesetzt, sondern bei einem Dienstleister.“ Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat nun jedoch in mehreren Fällen entschieden, dass auch Leihbeschäftigte in „Reparatur-, Zubehör-, Montage-, Dienstleistungs- und sonstigen Hilfe- und Nebenbetrieben“ Anspruch auf die Branchenzuschläge haben. Hier erklärt die IG Metall alles Wichtige zum neuen Urteil. link

Siehe dazu auch den Beitrag "Verdeckte Leiharbeit enttarnen – Jetzt reicht ein Tag" aus der Anwaltskanzlei Templin und Thieß, Hamburg: link

Leiharbeit bei Airbus in Hamburg

Einladung zum Mitmachen - Airbus-LAK-Stammtisch

„Wem es hier nicht gefällt, kann sich ja auch woanders Arbeit suchen“ und „Wir arbeiten hier nicht im Erzbergwerk, unter Tage, wo man einen Kanarienvogel bei sich hat.“ Das ist zwar frei wiedergegeben, aber genau das, was der Werkleiter DA, Herr Andreas Fehring, auf der Betriebsversammlung am 12. Juni u.a. von sich gegeben hat. Ob er damit nur den Einsatz von Leiharbeitskräften oder die Arbeitsbedingungen aller KollegInnen in der Fertigung angesprochen hat, weiß wohl nur er selbst. Es spielt auch keine Rolle: Mit diesen Äußerungen hat er sich für viele KollegInnen total disqualifiziert.

Ein Einsatz als Leiharbeitskraft (LAK), direkt bei Airbus, gehört für ein Arbeitsverhältnis nach Arbeitnehmerüberlassungsgesetz in die „Erste Liga“ beim Thema Zeitarbeit, keine Frage. Aber dazu gehört auch, dass man sich aufgrund seiner ganz persönlichen Situation dazu entschieden hat, sich überhaupt auf Leiharbeit einzulassen! Das machen die wenigsten wirklich freiwillig, sondern es gibt Sachzwänge aus ganz persönlichen Situationen.

Dazu sollte man im Hinterkopf haben: Kolleginnen und Kollegen in Leiharbeit, die in Kleinbetrieben oder in mittelständischen Unternehmen eingesetzt werden, haben oft Probleme in ihrem Arbeitsalltag, die man sich bei Airbus kaum vorstellen kann.

Für LAKs bei Airbus galt bislang: Gleiches Geld für gleiche Arbeit nach drei Monaten und die Teilhabemöglichkeit an diversen betrieblichen Errungenschaften für die Stammbelegschaft:

Zum Beispiel subventioniertes Kantinenessen zum gleichen Preis, innerbetriebliche Fortbildungsmöglichkeiten, Nutzung der Angebote des Gesundheitsmanagements, der Betriebssportgruppen, etc. …

Das alles ist nicht vom Himmel gefallen - sondern das ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen IG Metall und Betriebsrat mit der Geschäftsführung von Airbus und mit Arbeitgeberverbänden. Die IG Metall als Gewerkschaft und der Betriebsrat von Airbus haben sich immer engagiert für die Angleichung von Arbeitsbedingungen, sozialen Errungenschaften und des Entgeltes von Stammbeschäftigten und LAKs eingesetzt.

Mit der Leiharbeit ist alles super bei Airbus - oder was?

Nein!

Den Einsatz bei Airbus will logischerweise kaum eine LAK auf’s Spiel setzen. Auch wenn dieser Einsatz oft zehn Jahre und mehr andauert. Immerhin winkt zum einen die vage Möglichkeit einer Festanstellung - oder - zum anderen, die Gefahr einer „Abmeldung“, falls man „unangenehm auffällt“.

Am 12. Juni 2017, nach der Betriebsversammlung, waren alle LAKs zu einer Informationsveranstaltung des Betriebsrates eingeladen worden. Es ging um den Abschluss eines „Konzerntarifvertrages zur Leiharbeit“ mit der IG Metall. Dieser Konzerntarifvertrag war notwendig geworden, weil das erneuerte Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) u.a. folgendes festlegt: 18 Monate maximale Einsatzdauer einer LAK in einem Einsatzbetrieb (wobei die Einsatzzeit vor dem 1.4.2017 nicht mit angerechnet wird!).

Aber wie es so schön heißt: Ausnahmen bestimmen die Regel. Im AÜG steht ebenfalls, das Abweichungen davon durch Tarifverträge möglich sind. Im Konzerntarifvertrag hätte man zum Beispiel auch regeln können, dass Einsatzzeiten vor dem 1.4.2017 mit angerechnet werden …

Bei Airbus gilt nach wie vor: Gleiches Geld für gleiche Arbeit nach drei Monaten. Das ist besser als das Gesetz. Der Konzerntarifvertrag (KTV) ist aber schlechter als das Gesetz, was die Einsatzdauer von LAKs angeht. Im KTV ist u.a. festgelegt: 36 Monate maximale Einsatzdauer, und oben drauf, bei „besonderem Kapazitätsbedarf“, auch eine Verlängerung der Einsatzdauer um weitere 12 Monate mit der Zustimmung des Betriebsrates.

Mit dem neuen Airbus-Konzerntarifvertrag sind 48 Monate, vier Jahre, ab dem 1.4.2017 möglich. Das ist eine verdammt lange Probezeit! Und auf die gegebenenfalls zehn Jahre vorher ist sowieso gesch……

Bei dieser Informationsveranstaltung wurde über vollendete Tatsachen berichtet.

Warum wurden bei Airbus eingesetzte LAKs nicht schon vor dem Abschluss des „Konzerntarifvertrages zur Leiharbeit“ nach ihren Interessen und Forderungen befragt?

Der Betriebsrat hätte die Möglichkeit dazu gehabt. Eine Mail des BR an alle LAKs bei Airbus ist machbar. Und damit wäre auch eine Informationsveranstaltung im Vorfeld möglich gewesen, bei der man die LAKs nach ihrer Meinung hätte fragen können. Wenigstens eine Befragung per Mail wäre möglich gewesen.

Warum keine Selbstkritik? Auch unsere IG Metall hätte die Möglichkeit gehabt, ihre Mitglieder im Einsatz als LAK bei Airbus zu befragen. Dies dürften mehrere Hundert sein. Diese Befragung der Mitglieder gab es auch nicht. Das Kind ist jetzt in den Brunnen gefallen, leider.

Mit diesen Vereinbarungen, mit diesem Konzerntarifvertrag, müssen Stammbeschäftigte und LAKs bei Airbus jetzt erst einmal leben. Auch wenn damit eine Spaltung der Belegschaft in Angehörige erster und zweiter Klasse für die nächsten Jahre zementiert worden ist. Von den Leiharbeitskräften, die von Werkvertragsfirmen für einen Einsatz auf dem Airbus-Werkgelände eingekauft worden sind, ganz zu schweigen. Denn mit denen haben wir KollegInnen dritter und vierter Klasse, die sich auch jeden Tag auf dem Werkgelände bewegen und arbeiten!

Diese Situation stärkt nicht wirklich die Kampfkraft der Gewerkschaft im Betrieb. Im Gegenteil.

Nur gemeinsam werden die Stammbeschäftigten, die Leiharbeitskräfte und die KollegInnen in anderen prekären Arbeitsverhältnissen GLEICHES GELD FÜR GLEICHE ARBEIT und GLEICHE RECHTE FÜR ALLE erstreiten! Dies gilt nicht nur für Airbus - und als Gewerkschafter blicken wir über den Tellerrand „unseres Unternehmens“ hinaus.

Was wollen LAKs im Einsatz bei Airbus?

Die Festanstellung!

Gleiches Geld für gleiche Arbeit ist nicht wirklich die Frage bei Airbus. Gleiche Rechte, zum Beispiel bei Sonderzahlungen wie der Gewinnbeteiligung, schon eher.

Warum bekommt eine LAK keine Gewinnbeteiligung, wenn er oder sie bei Airbus seit x Jahren die gleiche Arbeit macht wie ein Stammbeschäftigter?

Warum wird bei Verstößen gegen innerbetriebliche Regelungen eine LAK „abgemeldet“ (also de facto „entlassen“), während ein Stammbeschäftigter höchstens eine „Abmahnung“ bekommt?

Das ist ungerecht! Das ist nicht okay!

Was ist zu tun?!

Um darüber zu reden, wäre ein Stammtisch zum Thema „Zeitarbeit bei Airbus“ vielleicht eine gute Idee. Außerhalb der Arbeitszeit, selbstorganisiert und vollautonom! Bei diesem Stammtisch soll nicht ziellos über „die Schlechtigkeit der Welt“ debattiert werden. Bei diesem Stammtisch soll überlegt werden, wie man die Ziele FESTANSTELLUNG für LAKs und GLEICHE RECHTE FÜR ALLE erreichen kann. Mit ganz konkreten Aktionen, denn von nix kommt nix!

Und auch die Gewerkschaft ist keine Versicherung, es kommt auf das Engagement jedes und jeder Einzelnen an!

Wir wollen alle interessierten LAKs dazu einladen, gemeinsam bei einem regelmäßigen Stammtisch-Treffen mögliche Wege zu erarbeiten, um ‎ihre Situation bei Airbus zu verbessern. Beim Stammtisch würde es um den Austausch über die Arbeitsbedingungen gehen, um fehlende Sicherheit im Alltag - und es würde auch um die Aufhebung des psychischen Druckes gehen, dem jede LAK aufgrund der unsicheren, prekären Situation ausgesetzt ist.

Mit dem erneuerten AÜG und mit dem neuen „Konzerntarifvertrag zur Leiharbeit“ kann niemand in der Leiharbeit zufrieden sein. Ein Erfahrungsaustausch unter betroffenen Kolleginnen und Kollegen könnte da weiterhelfen. Wie, das wollen wir in einer freien Runde mit Euch herausfinden.

Interessierte melden sich bitte an

akmiz-hamburg[at]igmetall-zoom.de