ZeitarbeiterInnen - Ohne Organisation Machtlos

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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 13.09.2019, 07:38 
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Hallo bernie,

Zitat:
verdi schliesst sich der Forderung von 8,5 % an und begründet dies mit 12,50 Euro als Mindestlohn.


In der Begründung der IGM heißt es: Mit der überdurchschnittlichen Entgelterhöhung will die IG Metall einen deutlichen Abstand der unteren Tarifentgelte zum Mindestlohn erreichen.

Der Differenz in den Begründungen: Die IGM bezieht sich auf den existenten Mindestlohn. Verdi spricht aber vom zukünftigen notwendigen Mindestlohn.

Des weiteren heißt es in der Tarifinfo der IGM: Die Forderung ist innerhalb der DGB-Gewerkschaften abgestimmt.. Die Forderung ist schon abgestimmt aber die Begründungen für die Forderung zeigen, dass es ziemlich unterschiedliche Vorstellungen gibt was man langfristig will.

Eine Rolle spielt vermutlich, dass es bei Verdi keine nennenswerten Branchenzuschläge gibt. Vielleicht setzen die gar nicht darauf. In der Metallverarbeitung kommt man mit Branchenzuschlägen in den unteren Entgeltgruppen zwar nach einigen Monaten an den von Verdi angepeilten Mindestlohn von 12,50 Euro ran. Aber nach der ersten Einsatzabmeldung fängt man wieder ganz unten an. (Branchenzuschläge sozusagen ein prekäres tarifliches Entlohnungsmodell).

Bleibt noch anzumerken: Von den Differenzen der Einzelgewerkschaften in der DGB-TG zu ihrer Tarifpolitik dringt so gut wie nichts nach unten durch. Zumindest die Vernetzung über ZOOM bringt dann doch etwas Klarheit.
Danke für deinen link zur Verdi - Tarifinfo:

https://besondere-dienste.verdi.de/bran ... 5400f67940

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 13.09.2019, 21:51 
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Hallo Karl,

verdi begründet die 8,5% Forderung mit einem notwendigen Mindestlohn von 12,50 Euro

EG1 ist ab 1.10. 9,96 Euro, EG2 10,62 Euro.
Das wären, wenn die 8,5% Forderung durchkommt, was nicht der Fall sein wird, in EG 1 10,81 Euro, in EG 2 11,52 Euro. Beides deutlich unter 12,50 Euro. Wer so argumentiert wie hier verdi hofft das niemand nachschaut und -rechnet. Der hält seine Mitglieder für dumm.
Und wer wieder so vorgeht, ich zitiere mich mal selbst,
Zitat:
in der BTK sitzen wieder interne Mitarbeiter der Leihbuden. Mindestens ein Mitglied der Verhandlungskommission ist Disponent bei randstad. Die haben kein wirkliches Interesse an einem guten Abschluss weil es dann vermutlich weniger Leiharbeit gibt was ihre Jobs gefährdet.

der hofft wieder das niemand genau hinschaut, der hält seine Mitglieder für total dumm.

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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 15.09.2019, 19:32 
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Hallo bernie,
Zitat:
Das wären, wenn die 8,5% Forderung durchkommt, was nicht der Fall sein wird, in EG 1 10,81 Euro, in EG 2 11,52 Euro. Beides deutlich unter 12,50 Euro. Wer so argumentiert wie hier verdi hofft das niemand nachschaut und -rechnet.

Verdi hat keine Angabe gemacht in welchem Zeitraum sie auf die 12,50 Euro kommen will. Realistischerweise muss man davon ausgehen soll, dass dies in einem Schritt nicht erreichbar ist. Verdi hat aber im Gegensatz zur IGM eine konkrete Zielvorgabe benannt und diese begründet. Es kommt also darauf an, hält man diese Zielvorgabe für richtig und wenn ja wie kommt man dahin?
Es stellt sich doch die Frage wie wird das in der DGB-TG besprochen. Darüber dringt nichts nach außen bzw. nach unten.

Mal sehen, wie die ZAF-Verbände am Dienstag den 17. September sich positionieren und was für ein Entgeltangebot sie vorlegen. Deren Gejammere dazu ist uninteressant.

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 26.09.2019, 08:46 
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Hallo,

In der Stellungnahme von BZA und IGZ zur 8,5% Lohnforderung heißt es :

„Die Forderung der DGB-Tarifgemeinschaft Zeitarbeit nach einer Tariferhöhung in der Zeitarbeit von 8,5 Prozent ist nach Einschätzung der Verhandlungsgemeinschaft Zeitarbeit...... für eine Branche, die aktuell erheblich von der negativen wirtschaftlichen Entwicklung getroffen ist, vollkommen überzogen.

Dazu mal eine Stellenanzeige aus dem aktuellen Augsburger Wochenblatt "EXTRA":

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Nachzulesen unter: https://epaper.wochenzeitung-extra.de/i ... eId=650117 (den geöffneten link als PDF anklicken und dann nach Seite 20 blättern und vergrößern)

Da schauen die 8,5% nur noch richtig mager aus. Um in der E2 (ab. 01.10.2019 10,62 Euro) auf 13 Euro zu kommen bedürfte es einer Erhöhung des Tarifs um 22 %.

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 27.09.2019, 09:32 
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Hallo,

die erste Meldung zur ersten Verhandlungsrunde der DGB-TG mit BAP und IGZ unter:

https://www.igmetall.de/tarif/tarifrund ... -gestartet
Das Angebot : nix

Nächstes Treffen am 29. Oktober

Karl

PS:
Ich frage mich wozu bietet man bei einer solchen Frechheit einen weiteren Vehandlungstermin an?

Der Entgelt-TV ist gekündigt. Da wartet man doch einfach bis zum 01. Januar 2020 dann ist der TV nur noch in der Nachwirkung (gilt nicht für Neueinstellungen). Im letzteren Fall bei Neueinstellung wäre sofort equal-pay fällig. BAP und IGZ werden sich dann ganz von alleine in Bewegung setzen.

Angebracht ist jetzt eine möglichst flächendeckende Information der LAN. (Ist nicht einfach umzusetzen, aber Gedanken darüber sich machen ist effektiver als am 29. Oktober sich die Zeit wieder stehlen zu lassen).


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 01.10.2019, 19:22 
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karla hat geschrieben:
13,00 € EINSTIEGSLOHN?
DAS IST DOCH MAL EIN ANGEBOT…!
[...]
Da schauen die 8,5% nur noch richtig mager aus. Um in der E2 (ab. 01.10.2019 10,62 Euro) auf 13 Euro zu kommen bedürfte es einer Erhöhung des Tarifs um 22 %.

Wobei solche Angebote nur auf dem Papier stehen.
https://forum.chefduzen.de/index.php/to ... 050.0.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 03.10.2019, 11:04 
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Hallo DDEnte,
Zitat:
Wobei solche Angebote nur auf dem Papier stehen.

Kann ich nicht beurteilen. Ist mir aber im Zusammenhang mit der Tarifrunde auch egal.

Wenn die ZAFs solche Angebote öffentlich machen konfrontiere ich das mit unseren Forderungen die von den Verbänden als völlig überzogen dargestellt wird. Wie schon aufgezeigt 8,5 % sind noch nicht mal die halbe Miete was diese ZAF im Netz für Nichtfachkräfte ausschreibt.

Karl

PS:
Unter: https://www.ig-zeitarbeit.de/presse/art ... en-bemueht

heißt es beim IGZ u.a.: Ziel sei es, vernünftige Regelungen mit längerer Laufzeit zu finden, damit die Unternehmen eine gewisse Planungssicherheit haben.

Das können sie meinetwegen haben: Im ersten Jahr 8,5 % und im zweiten Jahr nochmals 8,5 %. Damit ist beiden Seiten geholfen. Die DGB-TG nähert sich einem einigermaßen armutssichernden Mindestlohn von 12 Euro an und die ZAF-Verbände haben zwei Jahre Planungssicherheit.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 04.10.2019, 16:16 
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Der DGB wirbt um Mitglieder unter den Leiharbeitern. Denn durch den Tarif werden alle Leiharbeiter verarscht. Total verarscht werden aber nur Mitglieder. An einen Aufruf rechtzeitig vor den Wahlen zur TK Mitglied zu werden, in den richtigen verdi FB zu wechseln, um aktiv mit zu wählen oder zu kandidieren kann ich mich nicht erinnern.
Zitat:
Wie der DGB (unlauter) um Gewerkschaftsmitglieder unter den LeiharbeiterInnen wirbt

Dem DGB-Newsletter zur Tarifrunde Leiharbeit 2019/2020 vom 18. September 2019 hatten wir verwundert entnommen: “… Übrigens: Anspruch auf die Tarifergebnisse haben nur Gewerkschaftsmitglieder. Du bist noch kein Gewerkschaftsmitglied? Ändere das…” Wir hofften schon auf eine nicht gerade gewerkschaftsfreundliche Möglichkeit, dem equal-pay-killer Tarifvertrag zu entgehen, doch es schien zu einfach, also fragten wir unseren Lieblings-Anwalt . Däubler. Für ihn ist… “das ist eigentlich ganz einfach: Die Leiharbeitstarife sind nicht für allgemeinverbindlich erklärt, das sind nur die Tarife über die Lohnuntergrenze. Jeder halbwegs vernünftige Verleiher verweist aber im Arbeitsvertrag auf die Leiharbeitstarife, da sonst equal pay gelten würde. Ich kenne nur einen einzigen Fall, wo das vergessen wurde – nämlich bei...

http://www.labournet.de/?p=148495

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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 10.10.2019, 20:00 
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Hallo bernie,

unter: https://www.jungewelt.de/artikel/364291 ... B6hne.html

gibt es einen guten Bericht u.a. zur Tarifpolitik der DGB-TG. Über dem Bericht ist ein Foto mit der Unterzeile: Beschäftigte der Ford-Werke aus Köln bei einer Kundgebung gegen Leiharbeit in Frankfurt am Main (27.04.2012).

Diese Kundgebung war von der IGM initiiert worden zur Unterstützung der damals stattfindenden Tarifverhandlung. Die Verhandlungsführer waren damals die Kollegin Helga Schwitzer (damls IGM-Vorstand), Thomas Bäumer (BAP und Tuja).

Zu dieser Kundgebung zur Unterstützung waren etwas über 300 Kolleginnnen und Kollegen gekommen. Die Hälfte waren gewerschaftliche Vertrauensleute von Ford Köln die andere Hälfte Leiharbeiter. Auch Betriebsräte von Randstad und Adecco. Ich selbst war mit einigen LAN aus Augsburg mit dabei.

Man muss ja nicht alles einfach wiederholen (trotzdem wäre die mögliche Einbeziehung von Stammarbeitern bei Protesten kein Fehler). Aber heutzutage erfährt man noch nicht einmal wo die Tarifverhandlungen stattfinden. Unterstützung bei Tarifverhandlungen durch Mobilisierung von Betroffenen in den Bezirken wie es bei den Tarifverhandlungen der Stammbeschäftigten die Regel ist können sich die zuständigen für die DGB-TG offensichtlich gar nicht mehr vorstellen.

Diese Tarifrunde ist eine die unter vorgehaltener Hand stattfindet. Das ist jedenfalls zutreffend bis zum heutigen Tage. Vielleicht diskutiert man in der DGB-TG auch mehr. Bekannt wird darüber nach unten nichts. (Bei früheren TV-Verhandlungen gab es von IGM-Seite Tarifinfos zum Verhandlungsstand in Papierform die in und vor Betrieben verteilt werden konnten). Will man heute wissen was aktueller Stand ist muss man ins Internet gehen. Die meisten LAN - da bin ich mir sicher - die wissen gar nicht, dass Tarifverhandlungen stattfinden.

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 30.10.2019, 15:30 
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Hallo,

unter: https://www.dgb.de/themen/++co++63895f5 ... 540088cada

eine Tarifinfo des DGB zum gestrigen Verhandlungstermin.

Darin heißt es u.a.: Keine Bewegung

...So wurde im Bereich Entgelt ein völlig unzureichendes Angebot präsentiert. Mit Laufzeiten bis zu 5 Jahren und Tariferhhöhungen, die sogar noch unter der Inflationsrate bleiben. usw.

Wie bringt man das jetzt zu den Leiharbeitern rüber?


Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 30.10.2019, 16:16 
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Mir schwant nichts Gutes.
Forderung und Gegenangebot liegen weit auseinander, die Wirtschaft stagniert, besonders die Automobilbranche samt Zulieferer und von der Mobilisierungsfähigkeit rede ich lieber garnicht erst. Wenn der DGB nicht noch irgendwas Unerwartetes aus dem Hut zaubert, befürchte ich, dass es einen ganz schlechten Tarifabschluss gibt.
Aber vielleicht muss es noch viel schlimmer kommen, bevor es mal wieder besser wird...


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 01.11.2019, 09:31 
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Hallo,

hier noch der Kommentar der IGM:

https://www.igmetall.de/tarif/tarifrund ... leiharbeit

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 03.11.2019, 09:23 
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Karl,

hast du eine verlässliche Information dass die Nachwirkung bei Neueinstellungen nicht gilt?
Zitat:
Der Entgelt-TV ist gekündigt. Da wartet man doch einfach bis zum 01. Januar 2020 dann ist der TV nur noch in der Nachwirkung (gilt nicht für Neueinstellungen). Im letzteren Fall bei Neueinstellung wäre sofort equal-pay fällig. BAP und IGZ werden sich dann ganz von alleine in Bewegung setzen.

Im TVG steht dazu:
Zitat:
§ 4 Wirkung der Rechtsnormen
...
(5) Nach Ablauf des Tarifvertrags gelten seine Rechtsnormen weiter, bis sie durch eine andere Abmachung ersetzt werden.
http://www.gesetze-im-internet.de/tvg/__4.html

Ich habe widersprüchliche Informationen zu Neueinstellungen gefunden, dabei die Informationen das die Anwendung eines abgelaufenen TV vereinbart werden kann. Dann gilt "Unterschreib oder geh" Wenn der Bewerber überhaupt versteht was er da unterschreibt. Die meisten werden sich auf Nachfrage erzählen lassen wie toll es doch ist einen Tarifvertrag zu haben. Nur auf weitere Nachfrage das der in der Verhandlung ist, bis zum Abschluss gilt der alte weiter.

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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 03.11.2019, 17:47 
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bernie hat geschrieben:
Ich habe widersprüchliche Informationen zu Neueinstellungen gefunden, dabei die Informationen das die Anwendung eines abgelaufenen TV vereinbart werden kann.

In Branchen wo keine entsprechende gesetzlich Vorgabe existiert mag das so sein.
Im Geltungsbereich des § 8 AÜG würde ich das aber eher verneinen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 04.11.2019, 22:30 
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Hallo bernie,

Zitat:
Ich habe widersprüchliche Informationen zu Neueinstellungen gefunden, dabei die Informationen das die Anwendung eines abgelaufenen TV vereinbart werden kann. Dann gilt "Unterschreib oder geh" Wenn der Bewerber überhaupt versteht was er da unterschreibt. Die meisten werden sich auf Nachfrage erzählen lassen wie toll es doch ist einen Tarifvertrag zu haben.


Eine ZAF kann in der Nachwirkungszeit bei einem neu eingestellten LAN im Arbeitsvertrag vereinbaren, dass Bezug genommen wird auf den in der Nachwirkung befindlichen Tarifvertrag. Ob das aber rechtlich Bestand hat ist strittig.

Es ist aber nicht nur eine Rechtsfrage. Man (die Gewerkschaften) müßten halt gewerkschaftspolitisch dagegenhalten.

1. Die BR der Entleihbetriebe müßten mal über diese Problematik informiert werden. Dann könnten die in ihren Betrieben die Neueinstellungen von LAN daraufhin überprüfen nach welchem TV sie bezahlt werden. BR könnten gegen solche Einstellungen Schwierigkeiten machen.

2. Die DGB-TG können dies öffentlich skandalisieren. (Die IGM hat in der Vergangenheit (lang ist es her) dies gemacht.

3. Langfristig wäre es möglich die Thematik politisch zu ändern.

4. Die ZAF-Verbände haben kein Interesse diese Thematik ab Januar monatelang auszusitzen.

Der andere Weg wäre wenn die DGB-TG nächstes Jahr bei Nichtzufriedenheit mit den ZAF-Angeboten den ZAF-Verbänden mal schonend beibringt, dass ihr das Interesse an Tarifverträgen in der Leiharbeit langsam abhanden kommt. Im besten Fall gäbe es noch Interesse an einem TV in der verleihfreien Zeit.

So wie die bisherigen zwei Verhandlungstermine nach Aussage der DGB-TG und der IGM gelaufen sind: Zuerst bot man nichts dann ein bisschen garniert mit einigen Verschlechterungen müßten die LAN in den Einsatzbetrieben informiert werden mittels Tarifinfos in den Einsatzbetrieben. Mir ist nichts bekannt diesbezüglich.

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 04.11.2019, 23:03 
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Zitat:
Eine ZAF kann in der Nachwirkungszeit bei einem neu eingestellten LAN im Arbeitsvertrag vereinbaren, dass Bezug genommen wird auf den in der Nachwirkung befindlichen Tarifvertrag. Ob das aber rechtlich Bestand hat ist strittig.

Wenn der LAN nicht dagegen klagt hat es demnach Bestand. Da sich die wenigsten LAN auskennen ist das Risiko einer Klage gering. Es könnte sich natürlich jemand der sich auskennt bewerben, nur um gegen den Tarif zu klagen. Da er neu ist mit kurzen Kündigungsfristen ist er ganz schnell aus dem EB abgemeldet und dann gekündigt.
Wie ist eigentlich das Risiko daß die "gelben Gewerkschaften" versuchen einen TV zu vereinbaren wenn es mit der DGB TG nicht zu einem Abschluss kommt?

Politische Absichtserklärungen der Gewerkschaften gibt es reichlich. Nach einem passenden Wahlergebnis lässt sich auch sonst politisch sehr viel ändern.

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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 06.11.2019, 00:01 
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Hallo bernie,
Zitat:
Wie ist eigentlich das Risiko daß die "gelben Gewerkschaften" versuchen einen TV zu vereinbaren wenn es mit der DGB TG nicht zu einem Abschluss kommt?

Das Risiko gibt es nur wenn die DGB-TG erklärt, dass sie an weiteren Tarifvereinbarungen kein Interesse mehr hat. Und selbst dann muss sich die ZAF-Branche überlegen ob sie sich auf eine solche neue Lage einlassen will. Sie hat ja - immer vorausgesetzt die Verhandlungen gehen in die Nachwirkung - dann immer noch die Option ein Verhandlungsangebot anzubieten dem sich die DGB-TG nicht entziehen kann.

Ich frage mich immer noch wie die DGB-TG über die bisherige Tarifpolitik jemals zu equal-pay und equal-treatment gemäß EU-Richtlinie kommen will wenn sie es nie darauf ankommen läßt ? Von darüber hinaus gehenden Vergütungen für die zusätzliche Belastung für den permanenten Druck der sofortigen Abmeldung (der sogenannten Flexibilität) ganz zu schweigen.

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 07.11.2019, 12:07 
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Es bleibt spannend...

"Angebot der Leiharbeitgeber völlig unzureichend"

https://www.igmetall.de/tarif/tarifrunden/leiharbeit/zweite-verhandlungsrunde-leiharbeit


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 11.11.2019, 18:17 
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Hallo,

unter: https://gegenblende.dgb.de/artikel/++co ... 540088cada

ein interessanter Artikel vom DGB zum Mindestlohn von 12 Euro. Dort heißt es z.B.:
Bereits 2017 nannte das Bundesarbeitsministerium einen Stundenlohn von 11,85 Euro und später von 12,63 Euro als erforderlich, um dieses Ziel zu erreichen....Die Gewerkschaften ver.di und IG Metall haben auf ihren jüngsten Gewerkschaftstagen die Forderung nach einem Mindestlohn von 12 Euro beziehungsweise einem "existenzsichernden" Mindestlohn beschlossen.....Eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohnes auf dieses Niveau in einem Schritt ist sicherlich illusorisch. Aber eine Kampagne "10, 11 und 12 Euro – in drei Schritten und drei Jahren zu einem armutsfesten Mindestlohn" hätte gute Erfolgschancen. Sie definiert ein klares Ziel in einem überschaubaren Zeitraum. Dies gibt auch den tarifpolitischen Akteuren einen festen Planungshorizont. (ziemlich am Ende).
Die unterste Entgeltgruppe der E1(West) in der Zeitarbeit liegt derzeit bei 9.96 Euro.

Dazu noch ein link von 2013 in dem die IGM Stellung nimmt (in der Person des damaligen IG-Metall-Bezirkschef Armin Schild (Hessen) wie sie zum Mindestlohn steht:

https://www.deutschlandfunk.de/mindestl ... _id=269687

Dort heißt die Begründung:
Die Mindestlohn-Entwicklung in Deutschland muss zukünftig der Entwicklung der Tarifverträge folgen und nicht die Tarifverträge sich an einem politisch festgesetzten Mindestlohn orientieren.

Würde mich mal interessieren ob in den Tarifkommissionen von IGM und Verdi die Entgeltforderung für die derzeitigen Armutstarife der DGB-TG auch unter diesem Aspekt diskutiert werden.

Wenn schon 2017 das Arbeitsministerium für zwei drei Jahre später 12,63 Euro als armutsfest errechnet hat dann ist selbst der heutige Leiharbeitstarif in der E3 (Facharbeiter) mit 12,19 Euro ein Armutslohn.

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 14.11.2019, 17:35 
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Hallo bernie

Zitat:
Ich habe widersprüchliche Informationen zu Neueinstellungen gefunden, dabei die Informationen das die Anwendung eines abgelaufenen TV vereinbart werden kann.

Ich habe mich nochmals zur Nachwirkungsproblematik informiert. Bei der IGM heißt es dazu unter:

https://www.igmetall.de/tarif/tariflexi ... achwirkung

Mit dieser Bestimmung wollte der Gesetzgeber sicherstellen, dass das Ende eines Tarifvertrags nicht zu ungeregelten Arbeitsbedingungen führt. Die Nachwirkung überbrückt die tariflose Zeit bis zu einem Neuabschluss. Beschäftigte fallen also nicht in ein Loch,..)

1. Für das Normalarbeitsverhältnis trifft das zu. Für die Leiharbeit ist diese Aussage nicht zutreffend. In der Leiharbeit fällt rechtlich kein Leiharbeiter "in ein Loch". Denn das AÜG sagt wenn kein Tarifvertrag besteht gilt equal-pay. Die ZAF-Verbände haben deshalb natürlich ein Interesse an einer Nachwirkung für ihre Branche.

2. Wäre die Nachwirkung zulässig wäre dies für die ZAF-Verbände ein zusätzlicher Vorteil. Sie könnten nämlich ihren Tarifpartner bis zum Ende aller Tage erpressen und auf den nachwirkenden TV verweisen.

Der Gesetzgeber hat einen solchen Fall mit Sicherheit nicht in den Überlegungen gehabt als der § 4 Abs. 5 TVG beschlossen wurde.

In AiB 2008 Heft 11 gibt es dazu einen ausführlichen Artikel von Rechtsanwalt Gerd Denzel (er war ca. zu der Zeit) Verhandlungsführer von Verdi in der DGB-TG.

Unter: https://www.holzer-goldmann.de/das-verh ... nd-hummel/
gibt es dazu eine Kurzzusammenfassung.

Zur gleichen rechtlichen Bewertung kommt auch Christoph Wachter von der Abteilung Tarifpolitik beim DGB-Bundesvorstand. Das Papier liegt mir in Papierform vor.

Und zu den aktuellen Verhandlungen kann man auf der DGB-Seite lesen:
Wie lang ist die Laufzeit der bestehenden Tarifverträge? Müssen sie gekündigt werden oder laufen sie automatisch aus?...Alle Tarifverträge in der Leiharbeit, mit Ausnahme des Mindestlohntarifvertrags, sind so lange gültig, bis sie gekündigt werden..Werden die Tarifverträge gekündigt und nicht neu verhandelt, stellen sich Fragen zur sogenannten Nachwirkung, die unter Jurist/-innen nicht einheitlich beantwortet werden.
Siehe unter: https://www.dgb.de/tarifrunde-leiharbei ... 540088cada

Diese Nachwirkungsproblematik haben wir bei ZOOM schon 2009 diskutiert. Siehe unter: viewtopic.php?t=2993 (ab dem fünften Beitrag).

Fazit: Die Nachwirkung in der Leiharbeit ist nach wie vor ungeklärt. Auch nach dieser Aussage des DGB.

Mal sehen wann die nächste Verhandlung stattfindet und was dann angeboten wird ?

Karl


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 Betreff des Beitrags: Re: Tarifverhandlungen 2019
BeitragVerfasst: 14.11.2019, 17:53 
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Der nächste Verhandlungstermin wird vorgestern sein, am 12.11.
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Tarifrunde Leiharbeit: Trippelschritte in Richtung Einigung
Viele Detailfragen, kein großer Wurf
Tarifinfo 3 Leiharbeit: Trippelschritte in Richtung Einigung (PDF, 1 MB)

Am 12. November 2019 fand in Berlin die dritte Verhandlungsrunde für die Tarifverträge in der Leiharbeit statt. Nach wenig Bewegung in den ersten Verhandlungen erwartete die DGB-Tarifgemeinschaft ein deutliches Signal der Arbeitgeber, um die Verhandlungen voran zu bringen. Doch das blieb aus.

https://www.dgb.de/themen/++co++34dfde9 ... 540088cada

Jetzt sind begleitende Aktionen überfällig. Auch ein Stammtisch, ein Infoflyer, ein Post in den sozialen Netzwerken ist besser als nichts tun. Jetzt sind die Gewerkschaften vor Ort gefragt, die engagierten Betriebsräte in den Zeitarbeitsfirmen ebenso. Ganz besonders wenn diese auch in der TK sind. Die können mindestens ihre Leute erreichen, die dann wiederum ihre Kollegen ansprechen.

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Hallo bernie,

Zitat:
Der nächste Verhandlungstermin wird vorgestern sein, am 12.11.

Gratuliere. Das nenne ich mal knackig.

Gestern hat das Leitungsteam unseres AK MiZ mit unserem zuständigen Sekretär gesprochen wie man das zweite Tarifinfo unter die Leute bringt. Jetzt werden wir wohl gleich das dritte verteilen.

Die meisten Betriebsräte in unseren Entleihbetrieben sind nach meinem Eindruck vorsichtig ausgedrückt zurückhaltend. Und die betroffenen LAN wissen meist nicht mal, dass Tarifverhandlungen stattfinden. Und die in den Entleihbetrieben mit Besservereinbarungen wie Airbus oder in der Automobilindustrie interessiert eine tarifliche Lohnerhöhung bei ihren Verdiensten momentan wenig. Selbst wenn sie wie seit Monaten massenhaft abgemeldet werden. Unser Airbus -Betrieb in Augsburg hatte vor zwei Jahren ca. 900 LAN. Heute sind es wohl unter 200. Und die die weg sind, sind nicht ansprechbar, weil keiner weiß wo sie jetzt sind.

Deshalb, wenn man wirklich was in Richtung 8,5% mit 12 Monaten Laufzeit erreichen will ist Information und Mobilisierung grundsätzlich richtig aber nicht ausreichend.

Die oben verlinkte Aussage des DGB auf seiner homepage: ...Werden die Tarifverträge gekündigt und nicht neu verhandelt, stellen sich Fragen zur sogenannten Nachwirkung,.. wenn das wirklich ernst gemeint ist dann muss das auch angegangen werden. Das hieße weitere Verhandlungen ablehnen. Und dann abwarten wie die ZAF-Verbände reagieren.
Ende März 2020 enden die TVs der Stammarbeiter (Metallindustrie). Wenn bis dahin kein annehmbares Angebot des Entgelt-TV für die Leiharbeiter vorliegt dann können die LAN mit den Stammarbeitern zusammen mal Warnstreiks durchführen. Und zwar jeder für seinen TV.

Karl

Aktueller Nachtrag: Tarifinfo Nr 3 der IGM unter: https://www.igmetall.de/tarif/tarifrund ... g-in-sicht


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