33 Fragen zur Zeitarbeit :: Onlineausgabe

Inhaltsverzeichnis

I. Zeitarbeit – eine Alternative für Arbeitslose?

1. Gibt es Unterschiede bei Zeitarbeitsfirmen?
2. Worin besteht der Unterschied zwischen PSA und Zeitarbeitsfirma?
3. Wie finde ich die richtige Firma?
4. Was bietet Ihnen Zeitarbeit, abgesehen von Geld ?

5. Wie hoch ist das Einkommen bei einer Zeitarbeitsfirma?
6. Was können Sie tun?
7. Sie haben einen Vorstellungstermin vereinbart. Was ist zu beachten?
8. Gibt es besondere Regelungen für ausländische Mitarbeiter?

9. Gibt es sonst noch Besonderheiten?
10. Muss ich ein Arbeitsangebot bei einer Zeitarbeitsfirma annehmen?
11. Gibt es Sonderregelungen für Ostdeutschland?
12. Was passiert, wenn ich ein zumutbares Arbeitsangebot ablehne?


II. Ein Job wie jeder andere?

13. Wie läuft das mit der „Überlassung“?
14. Was sind meine täglichen Pflichten?
15. Was tun bei Krankheit, Urlaubswunsch etc.?
16. Was ist ein Arbeitszeitkonto?

17. Was passiert, wenn mir mein Arbeitgeber keinen neuen Einsatz geben kann?
18. Was sind Staffellöhne?
19. Eine der häufigsten Fragen: Wie sieht das mit einer Übernahme aus?
20. Was tun bei Problemen oder Ärger in der Kundenfirma?
21. Was tun, falls Sie eine Abmahnung bekommen?


III. Kündigung – was nun?

22. Wann muss ich mich arbeitssuchend melden?
23. Was wird für die Arbeitslosmeldung benötigt?
24. Was tun bei Problemen mit der Arbeitgeberbescheinigung?
25. Welche Meldepflichten bestehen?

26. Wie berechnet sich die Bemessungsgrundlage?
27. Was passiert bei der Beendigung eines Zeitarbeitsverhältnisses?
28. Bekomme ich ein Zeugnis von der Zeitarbeitsfirma?


IV. Allgemeine Hinweise im Umgang mit der Agentur für Arbeit


29. Wann bekomme ich Lohnersatzleistungen vom Arbeitsamt?
30. Wo liegt der Unterschied zwischen ALG und ALHI?
31. Bin ich weiter krankenversichert?
32. Wann werden meine Bewerbungskosten übernommen?


V. Checkliste für den Arbeitsvertrag

33. Was muss in einem schriftlichen Arbeitsvertrag mindestens stehen?

 

top

 

Die Broschüre 33 Fragen zur Zeitarbeit online

I. Zeitarbeit - eine Alternative für Arbeitslose?

1. Gibt es Unterschiede bei Zeitarbeitsfirmen?

Wir verzichten hier auf eine Qualitätsaussage zu verschiedenen Anbietern von Zeitarbeit. Eine Besonderheit stellen Anbieter dar, die ausdrücklich das Ziel verfolgen, Sie in ein festes Arbeitsverhältnis zu vermitteln, z.B. gemeinnützige Einrichtungen.
Erkundigen Sie sich bitte beim Arbeitsamt oder bei den örtlichen Beratungsstellen nach diesen Firmen.

2. Worin besteht der Unterschied zwischen einer PSA und einer Zeitarbeitsfirma?

Die PSA ist ebenfalls eine Zeitarbeitsfirma; ihr Auftrag ist es, über das Instrument der Leiharbeit Arbeitslose in Arbeit zu vermitteln. Wer zu einer PSA geschickt wird, entscheidet die örtliche Agentur für Arbeit. Für jeden Arbeitslosen, den die PSA einstellt, erhält sie Zuschüsse von der Agentur für Arbeit und bei erfolgreicher Vermittlung eine Prämie. In den entleihfreien Zeiten soll die PSA Qualifizierungen mit Ihnen durchführen.

3. Wie finde ich die richtige Firma?

Gerade in dieser Branche gibt es einige schwarze Schafe. Doch Zeitarbeit ist für viele auch die Chance. Deshalb vielleicht eine kleine „Faustregel“: Seien Sie vorsichtig bei Firmen, die ausschließlich im Helferbereich tätig sind. Wenden Sie sich vorzugsweise an Unternehmen, die tarifgebunden (mit DGB Tarif, siehe Frage 5) sind.

4. Was bietet Ihnen Zeitarbeit, abgesehen von Geld?

Mit einem Wort: Kontakte!
Sie haben die Möglichkeit, einen Betrieb von innen kennen zu lernen und können sich von Ihrer besten Seite zeigen. Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihren ArbeitskollegInnen und den KollegInnen im Personalbüro der Einsatzfirma. Erstellen Sie eine Bewerbung und nehmen Sie die bei dieser Gelegenheit gleich mit. Fragen Sie, ob entweder jetzt oder auch später eine Stelle frei wird. Machen Sie ruhig ein wenig Werbung für sich. Bei einer Bewerbung können Ihnen Beratungsstellen behilflich sein.

5. Wie hoch ist das Einkommen bei einer Zeitarbeitsfirma?

Die DGB Gewerkschaften haben mit den beiden großen Verbänden der Zeitarbeit (Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen e.V. BZA und Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V IGZ) jeweils Flächentarifverträge abgeschlossen. Trotzdem liegen die Entgelte meist deutlich unter denen der Betriebe, in die Sie verliehen werden. Seien Sie vorsichtig bei Firmen, die Tarifverträge mit den sogenannten „christlichen Gewerkschaften“ abgeschlossen haben oder verwenden. Um den Wettbewerb um den billigsten Tarif zu stoppen, haben sich die Tarifgemeinschaft des DGB mit den Arbeitgeberverbänden BZA und iGZ (noch in Verhandlung) im Jahr 2010 erneut auf einen Mindestlohntarifvertrag für die Zeitarbeit verständigt. Dieser Tarifvertrag kann aber erst in Kraft treten, wenn die Bundesregierung diesen über das Entsendegesetz für allgemeinverbindlich erklärt. Daher hat der Tarifvertrag Mindestlohn in der Zeitarbeit bisher keine Gültigkeit.

6. Was können Sie tun?

Unser Rat: Holen Sie sich verschiedene Angebote von Zeitarbeitsfirmen ein. Vergleichen Sie alle Konditionen. Achten Sie dabei auf Fahrtkostenregelungen (siehe Frage 9) oder Zusatzleitungen wie vermögenswirksame Leistungen!

7. Sie haben einen Vorstellungstermin vereinbart. Was ist zu beachten?

Betrachten Sie sich und den (Zeit-)Arbeitgeber als gleichberechtigte Geschäftspartner. Erstellen Sie möglichst eine schriftliche Bewerbung, die Sie dem Arbeitgeber aushändigen.
Wichtig: Bevor Sie unterschreiben: Lassen Sie sich Ihrerseits ein Exemplar des Arbeitsvertrages aushändigen, um ihn später in Ruhe zu Hause durchzulesen. Sie können den Vertrag durch eine Beratungsstelle prüfen lassen. Man wird Ihnen dort gerne weiterhelfen. Unterschreiben Sie erst dann einen Arbeitsvertrag, wenn Sie ihn genau gelesen haben und wenn Sie mit allen Punkten einverstanden sind.

8. Gibt es besondere Regelungen für ausländische Mitarbeiter?

Für Beschäftigte, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, ist der Arbeitsvertrag auf Verlangen in Ihrer Muttersprache zu verfassen.

top

9. Gibt es sonst noch Besonderheiten?

Die wesentlichen Eckpunkte des Zeitarbeitsverhältnisses müssen Ihnen in schriftlicher Form ausgehändigt werden (siehe Nr 33). Sie können im Arbeitsvertrag oder in einer zusätzlichen Urkunde enthalten sein. Achten Sie auf die Regelungen für die Fahrtkostenerstattung. Sie sollten auch Ihre tatsächlich anfallenden Kosten decken.

Zusätzlich muss Ihnen ein Merkblatt der Bundesagentur für Arbeit mit den wesentlichen Inhalten des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes ausgehändigt werden.

10. Muss ich ein Arbeitsangebot bei einer Zeitarbeitsfirma annehmen?

Grundsätzlich sieht die Agentur für Arbeit keinen Unterschied zwischen der Vermittlung zu einem Zeitarbeitsunternehmen oder einem anderen Arbeitgeber.

Für ALG I-Bezieher gelten die allgemeinen Zumutbarkeitsregelungen nach
§ 121 SGB III.
Für ALG-II-Bezieher gelten die verschärften Regelungen nach § 10 SGB II.
Grundsätzlich sind Neigung, Leistungsfähigkeit der Arbeitsuchenden sowie die Anforderungen der angebotenen Stelle zu berücksichtigen. Da es sehr viele Ausnahmen und Regelungen für Fälle gibt, bei denen eine Vermittlung nicht zumutbar ist, wenden Sie sich im Zweifelsfall immer an eine Beratungsstelle.

Wichtig: Auch wenn sie an eine Verleihfirma vermittelt werden, können Sie darauf bestehen weiter bei der BA als Arbeitssuchend geführt zu werden!

11. Gibt es Sonderregelungen für Ostdeutschland?

Auch in der Zeitarbeitsbranche sind die Entgelte in Ostdeutschland niedriger. In den Tarifverträgen sind entsprechende Abschläge vereinbart.

12. Was passiert, wenn ich ein zumutbares Arbeitsangebot ablehne?

Die Ablehnung einer zumutbaren Beschäftigung ohne wichtigen Grund führt zu einer Sperrzeit (§ 144 SGB III) beim Arbeitslosengeld. Sperrzeiten addieren sich und führen, bei einer „Gesamtsperrzeit“ von 21 Wochen, zum gänzlichen Verlust des Anspruchs auf Arbeitslosengeld.
Bei ALG II wird der Leistungsbezug unter Wegfall des Zuschlages um 30 % der maßgebenden Regelleistung für 3 Monate gekürzt. Mehrfache Verstöße können zu einer kompletten Streichung der Leistung führen (§ 31 Abs. 1 SGB II).
Für unter 25 Jährige gelten noch schärfere Regeln!

Wichtig:
Suchen Sie möglichst eine Beratungsstelle auf, wenn eine Sperrzeit oder Leistungskürzung gegen Sie ausgesprochen wird
.

top

II. Ein Job wie jeder andere?

13. Wie läuft das mit der „Überlassung“

Das Zeitarbeitsunternehmen „X“ ist nun Ihr Arbeitgeber.
Ihr Arbeitgeber „verleiht“ Sie und Ihre Arbeitskraft an ein Unternehmen der Region, in dem aktuell ein erhöhter Arbeitsbedarf besteht.
Es gibt dabei einige gesetzliche Regelungen:

Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, Ihnen die benötigte Sicherheitskleidung zur Verfügung zu stellen (falls erforderlich).
Die Einweisung am Arbeitsplatz (auch die Sicherheitshinweise) erfolgen durch den jeweiligen Kundenbetrieb.
Für die Dauer Ihres Einsatzes ist nicht nur Ihr Arbeitgeber, sondern auch die Kundenfirma weisungsbefugt; d.h. Sie bekommen Ihre täglichen Arbeitsaufträge vom Kunden.

14. Was sind meine täglichen Pflichten?

Da Sie ja nicht direkt bei Ihrem Arbeitgeber arbeiten, kann dieser die von Ihnen gearbeiteten Stunden nicht kontrollieren. Daher sind Sie verpflichtet, auf sog. „Stundenzetteln“ alle Arbeitsstunden sorgfältig aufzuschreiben und in regelmäßigen Abständen von der Kundenfirma abzeichnen zu lassen und bei Ihrem Arbeitgeber abzugeben. In immer mehr Unternehmen werden die Zeiten auch für die Zeitarbeitskräfte elektronisch erfasst und direkt an Ihren Arbeitgeber übermittelt.
Wichtig:
Heben Sie sich Ihren Durchschlag sorgfältig auf, damit Sie jederzeit die abgerechneten Stunden kontrollieren können bzw. notieren Sie sich Ihre Stunden zusätzlich um die Abrechnung überprüfen zu können!!!

15. Was tun bei Krankheit, Urlaubswunsch etc.?

Ihr Disponent ist Ihr Ansprechpartner für alle Fragen an Ihren Arbeitgeber. Wie bei jedem anderen Arbeitgeber auch, müssen Sie bei Krankheit etc. Ihre Arbeitsverhinderung sofort anzeigen. Sie sollten parallel auch die Kundenfirma über Ihre Arbeitsverhinderung informieren. In der Regel müssen Sie vom ersten Tag an eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorweisen können. Bei Urlaubswunsch gehen Sie genauso vor.
Wichtig ist jedoch auch hier:
Urlaubsanträge müssen schriftlich erfolgen. Sie können nur schriftlich genehmigten Urlaub antreten!!!

16. Was ist ein Arbeitszeitkonto?

In den meisten Firmen ist es inzwischen gängige Praxis, Überstunden auf ein sogenanntes „Arbeitszeitkonto“ fließen zu lassen.
Damit haben Sie bei Ihrem Arbeitgeber eine Art Sparkonto. Die „Auszahlung“ der Stunden erfolgt in der Regel in Freizeit.
Die Tarifverträge regeln die maximale Höhe der Arbeitszeitkonten und wie eine Freizeitentnahme erfolgt.
Das häufigste Problem mit den Zeitkonten ist bei Nichteinsatzzeiten (siehe Frage 17).

top

 

17. Was passiert, wenn mir mein Arbeitgeber keinen neuen Einsatz geben kann?

Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen vorübergehend keinen neuen Einsatz vermitteln kann, ist er verpflichtet, Ihnen diese Zeiten als „Nichteinsatz“ zu vergüten. Allerdings haben Sie in dieser Zeit nicht „frei“, sondern müssen auf Abruf zur Verfügung stehen. Häufig werden Nichteinsatzzeiten mit dem Arbeitszeitkonto verrechnet. Das ist eigentlich unzulässig, es sei denn, dass Sie für diese Zeiten Freizeitentnahme beantragen. Eine weitere Ausnahme sind Betriebsferien.

18. Was sind Staffellöhne?

Viele Firmen werden versuchen, mit Ihnen einen Staffellohn zu vereinbaren. Das heißt, mit Ihnen wird ein höherer Stundenlohn vereinbart, wenn Sie Einsätze innerhalb Ihres Berufsbildes/Ihrer Zusatzqualifikation (z.B. Staplerschein) vermittelt bekommen und ein niedrigerer Stundenlohn, wenn Sie „nur“ als Helfer eingesetzt werden. Sie bekommen Ihren vereinbarten Stundenlohn also nur dann, wenn Sie auch Einsätze innerhalb Ihres Berufsbildes zugewiesen bekommen. Leider haben Sie aber auf die Auswahl der Einsätze keinen Einfluss. Auch wenn Ihnen versprochen wird, dass das nur „ganz selten vorkommen wird“, ist von derartigen Vereinbarungen generell abzuraten. Denn auch für Urlaubstage, Nichteinsatzzeiten oder Krankheit bekommen sie meist nur den geringeren Stundensatz vergütet.

19. Eine der häufigsten Fragen:

Wie sieht das mit einer Übernahme aus?

Ihr Arbeitgeber hat mit der Firma, bei der Sie eingesetzt sind, für die Dauer Ihres Einsatzes einen sogenannten „Überlassungsvertrag“. Häufig ist hier auch eine Klausel enthalten, dass die Kundenfirma bei Übernahme des Leiharbeiters eine Provision an das Zeitarbeitsunternehmen zu zahlen hat.

Hier liegen jedoch auch häufig Welten zwischen Theorie und Praxis, denn kein Zeitarbeitsunternehmen möchte seine Kunden verärgern. Im Zweifel wird häufig auf die Provision verzichtet.

Sie als Arbeitnehmer können jedoch von keiner Seite zur Kasse gebeten werden. Alle Klauseln in Verträgen mit Zeitarbeitsfirmen, die Sie an die Zeitarbeitsfirma binden, sind unzulässig. Es gelten die allgemein gültigen Regelungen für die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses. Im offenen Gespräch ist in der Regel immer eine unkomplizierte Einigung zu erzielen.
Wichtig:
Lassen Sie sich also von niemanden einreden, dass eine Übernahme nicht möglich sei.
Wenn Sie das Gefühl haben, sich nach einiger Zeit bei Ihrem Einsatz bei einer Kundenfirma „bewährt“ zu haben, lohnt die Bewerbung sicherlich. Achten Sie jedoch auf die Einhaltung Ihrer Kündigungsfristen. Falls Sie ein unbefristetes Arbeitsverhältnis jedoch gegen ein befristetes „eintauschen“, sollten Sie bedenken, dass das neue Arbeitsverhältnis mindestens 1 Jahr andauern muss, damit Sie im Falle einer Arbeitslosigkeit keine Sperrfristen oder bei ALG II Leistungskürzungen seitens des Arbeitsamtes riskieren.

Und falls mal doch nicht alles glatt läuft:

20. Was tun bei Problemen oder Ärger in der Kundenfirma?

Auch hier wenden Sie sich bitte umgehend an Ihren Disponenten, denn es liegt auch in seinem Interesse, dass beim Kunden alles „glatt läuft“. Bei den wenigsten Zeitarbeitsunternehmen gibt es einen Betriebsrat. Wenn jedoch ein Betriebsrat existiert, wenden Sie sich mit Ihren Fragen und Nöten an die Vertreter. Auch der Betriebsrat im Kundenbetrieb ist für Sie da.

21. Was tun, falls Sie eine Abmahnung bekommen?

Eine Abmahnung gilt als „Vorstufe zur Kündigung“. Dabei muss der Arbeitgeber allerdings den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wahren, d.h. eine Kündigung kommt nur dann in Betracht, wenn alle anderen, milderen Mittel ausgeschöpft sind oder keinen Erfolg versprechen.

Ziel einer Abmahnung ist eine Verhaltensänderung: Deshalb ist es nur möglich, „steuerbares Verhalten“ abzumahnen, denn in der Persönlichkeit eines Arbeitnehmers liegende Gründe kann der Arbeitnehmer in der Regel nicht selbst beeinflussen – demnach kann er dafür auch nicht abgemahnt werden.

Wichtig:
Mit Ihrer Unterschrift akzeptieren Sie ggf. eine Abmahnung als rechtlich gültig. Falls Sie eine Abmahnung als ungerechtfertigt empfinden, sollten Sie auf gar keinen Fall etwas unterschreiben, sondern vorerst eine Beratung einholen.

Grundsätzlich muss jedes Fehlverhalten einzeln abgemahnt werden (z.B. reicht es nicht, wenn Ihr Arbeitsgeber Sie wegen häufigen Zuspätkommens abmahnt. Es müssen konkrete Angaben zu Datum und Uhrzeit gemacht werden!). Ebenso muss der zeitliche Zusammenhang zum Fehlverhalten gegeben sein.

Tipp:
Falls Sie aufgrund eines Fehlverhaltens eine rechtmäßige Abmahnung erhalten haben: Geben Sie auf jeden Fall eine schriftliche Stellungnahme für Ihre Personalakte ab!

top

III. Kündigung - was nun?

22. Wann muss ich mich arbeitssuchend melden?

Zeitarbeit oder nicht – für das Arbeitsamt bedeutet das im Falle von drohender Arbeitslosigkeit keinen Unterschied.

Seit dem 1.7.2003 müssen sich Arbeitnehmer mit einem befristeten Arbeitsvertrag drei Monate vor dem voraussichtlichen Vertragsende bei der Agentur für Arbeit melden. Dies gilt auch, wenn der Arbeitgeber noch über eine Vertragsverlängerung nachdenkt. Bei Kündigung hat sich der Arbeitnehmer unverzüglich bei der Agentur für Arbeit zu melden. Ansonsten droht eine Sperrzeit bzw. Leistungskürzungen!

23. Was wird für die Arbeitslosmeldung benötigt?

Für die Arbeitslosmeldung benötigen Sie erstmals nur den Personalausweis bzw. eine Meldebescheinigung bei Ausländern.

Die Arbeitslosmeldung ist frühestens 3 Monate vor Eintritt der Arbeitslosigkeit möglich. Beachten Sie jedoch Frage 22!

Bei der Agentur für Arbeit bekommen Sie Ihren Antrag auf ALG/ALG II und eine Bescheinigung, die vom Arbeitgeber auszufüllen ist.

Erst wenn Sie Ihren Antrag, die Bescheinigung vom Arbeitgeber, eine Kopie der Lohnsteuerkarte und den Sozialversicherungsausweis komplett abgegeben oder vorgezeigt haben, beginnt die Agentur für Arbeit mit der Berechnung der Leistungen. In der Regel erfolgt die erste Zahlung nach 3-8 Wochen.

24. Was tun bei Problemen mit der Arbeitgeberbescheinigung?

Sollte der Arbeitgeber nicht die Bescheinigung der Agentur für Arbeit ausfüllen, müssen Sie ihm mit Einschreiben eine ca. 10-tägige Frist setzen. Legen Sie dieses Einschreiben nach der entsprechenden Frist bei der Agentur für Arbeit vor, so wird das Amt von sich aus tätig und zwingt den Arbeitgeber mit behördlichen Sanktionen zur Erfüllung seiner Pflicht.

25. Welche Meldepflichten bestehen?

Bekommen Sie Leistungen von der Agentur für Arbeit, so werden Sie regelmäßig aufgefordert, sich zu melden. Wenn Sie keinen Anspruch auf Geld von der Agentur für Arbeit haben, so müssen Sie sich trotzdem ¼-jährlich melden. Dies ist wichtig für die Rentenversicherung, ansonsten meldet die Agentur Sie dort ab!

26. Wie berechnet sich die Bemessungsgrundlage?

Die Bemessungsgrundlage berechnet sich aus dem Verdienst der letzten 12 Monate, einschließlich der Einmahlzahlungen (Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld). Haben Sie vor Beginn des Arbeitsverhältnisses bereits Arbeitslosengeld bezogen, besteht für Sie ein gewisser Bestandsschutz von bis zu 2 Jahren.

Dies bedeutet:
Haben Sie innerhalb von 2 Jahren einen Tag ALG mit einer höheren Bemessungsgrundlage bezogen als aus der Bemessungsgrundlage, die sich aus der letzten Beschäftigung ergeben würde, so erhalten Sie auch für einen neu entstehenden Arbeitslosengeldanspruch mindestens die alte Höhe. Besteht kein Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld, sollten Sie ALG II beantragen (siehe Frage 31).

27. Was passiert bei der Beendigung eines Zeitarbeitsverhältnisses?

Die Beendigung eines Arbeitsverhälltnisses ohne wichtigen Grund kann zu Sanktionen der Agentur für Arbeit führen.

Wird dem Mitarbeiter das Arbeitsverhältnis aus betrieblichen Gründen gekündigt, so entsteht dem Arbeitnehmer keine Sperrzeit.

Unterschreibt der Arbeitslose eine Eigenkündigung ohne wichtigen Grund (im SGB III geregelt), so wird eine Sperrzeit bei ALG oder Leistungskürzung bei ALG II ausgesprochen.

Viele Leiharbeitsfirmen versuchen ihre Mitarbeiter über einen Aufhebungsvertrag loszuwerden, um Kündigungsschutzklagen zu vermeiden.
Aufhebungsverträge sind jedoch nur unter bestimmten Bedingungen möglich u. a. muß die Kündigungsfrist eingehalten werden. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt geht die Agentur für Arbeit von einem Mitwirken am Verlust des Arbeitsplatzes aus und verhängt eine Sperrzeit. Mehr zu den Sperrzeiten finden Sie unter Frage 12.

28. Bekomme ich ein Zeugnis von der Zeitarbeitsfirma?

Auch als Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma haben Sie Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis. Fordern Sie dies immer von sich aus an, denn der Arbeitgeber ist nicht zur automatischen Ausstellung verpflichtet.

top

IV. Allgemeine Hinweise im Umgang mit der Agentur für Arbeit

29. Wann bekomme ich Lohnersatzleistungen von der Agentur für Arbeit?

Die Agentur für Arbeit kennt für Arbeitslose 2 Lohnersatzleistungen:

  • Arbeitslosengeld (ALG I)
  • Arbeitslosengeld II (ALG II)

Das ALG I hat für Arbeitslose mit Kind ca. die Höhe von 67% des Nettoverdienstes, für Arbeitslose ohne Kind ca. 60%. Ist der Arbeitslose verheiratet, so sollte er immer in der besseren Steuerklasse bleiben bzw. im Jahr vor Eintritt der Arbeitslosigkeit in die bessere wechseln. Je nach Alter und Beschäftigungsdauer kann das ALG zwischen 6 und 12 Monaten gezahlt werden.

Bei älteren Arbeitslosen gelten verlängerte Bezugsräume:

  • 50-Jährige haben bei einer Versicherungszeit von 30 Monaten innerhalb der letzten fünf Jahre Anspruch auf 15 Monate Arbeitslosengeld I
  • 55-Jährige haben bei einer Versicherungszeit von 36 Monaten innerhalb der letzten fünf Jahre Anspruch auf eine Leistungsdauer von 18 Monaten
  • 58-Jährige können nach einer Versicherungszeit von 48 Monaten innerhalb der letzten fünf Jahre 24 Monate lang Arbeitslosengeld I beziehen.

Bereits verbrauchte Ansprüche oder Anspruchszeiten können nicht mehrmals berücksichtigt werden. Ein neuer Anspruch entsteht erst nach 12 Monaten sozialversicherungspflichtiger Arbeit innerhalb von 2 Jahren.

Ist der Anspruch auf Arbeitslosengeld verbraucht, so kann der Arbeitslose Anspruch auf ALG II haben. Die Höhe des ALG II ist unabhängig vom früheren Einkommen und richtet sich nur nach der Bedürftigkeit!

30. Wo liegt der Unterschied zwischen ALG und ALG II?

Im Gegensatz zum Arbeitslosengeld ist das Arbeitslosengeld II vom Einkommen und Vermögen des Arbeitslosen und seines Ehepartners abhängig (Bedürftigkeit). Sollte ein Vermögen oder ein Einkommen des Ehepartners vorhanden sein, so ist trotzdem ein Antrag zu stellen. Nur so ist sicher zu stellen, keinen Anspruch zu haben. Ein Gespräch in einer speziellen Beratungsstelle für Arbeitslose vor Antragsabgabe ist zu empfehlen.

31. Bin ich weiter krankenversichert?

Solange Sie im Leistungsbezug (ALG / ALG II) sind ja. Bei ALG II prüft die Agentur für Arbeit bzw. die ARGE, ob Sie über Ihren Lebenspartner mitversichert werden können. Erhalten Sie keine Leistung mehr (z.B. Sperrzeiten, unter 25 Jährige die zu Hause wohnen) müssen sie sich unter umständen selbst versichern. Sprechen sie frühzeitig mit Ihrer Krankenkasse!

32. Wann werden meine Bewerbungskosten übernommen?

Bewerbungskosten können für die Erstellung und Versendung von Bewerbungsunterlagen in einer Höhe von bis zu 260 € vom Arbeitsamt jährlich übernommen werden.

Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitssuchende können zur Beratung und Vermittlung unterstützende Leistungen erhalten, wenn Sie sich vor Entstehen der Leistungen einen Antrag bei der Agentur für Arbeit abgeholt haben.

Wichtig:
Diese Leistung gibt es erst ab der Antragstellung. Frühere Kosten können nicht ersetzt werden!

top

V. Checkliste für den Arbeitsvertrag

Grundlage der Tätigkeit eines Leiharbeitnehmers ist der Arbeitsvertrag mit einem Verleiher, der die Erlaubnis zur gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung hat.

33. Was muss in einem schriftlichen Arbeitsvertrag mindestens stehen?

  • Firma und Anschrift des Verleihers, die Erlaubnisbehörde, sowie Ort und Datum der Erteilung der Erlaubnis
  • Vollständiger Name, Anschrift, sowie Datum und Ort der Geburt des Leiharbeitnehmers
  • Art und Merkmale der vom Leiharbeitnehmer zu leistenden Tätigkeit, die erforderlichen Qualifikationen, der/die Einsatzort/e, ggf. auch auswärtiges Arbeiten
  • Die vereinbarte Arbeitszeit
  • Dauer des jährlichen Erholungsurlaubs
  • Beginn und Dauer des Arbeitsverhältnisses
  • Zeitpunkt und Ort der Begründung des Arbeitsverhältnisses
  • Kündigungsfristen für das Arbeitsverhältnis
  • Zusammensetzung und Höhe des Arbeitsentgelts, einschließlich Zulagen und Zuschläge, Prämien, Sonderzahlungen sowie andere Bestandteile des Arbeitsentgelts und deren Fälligkeit
  • Leistungen bei Krankheit, Urlaub und vorübergehender Nichtbeschäftigung
  • Angaben nach § 2, Abs. 2 des Nachweisgesetzes, wenn Sie länger als einen Monat außerhalb der Bundesrepublik Deutschland arbeiten sollen
  • Hinweise auf Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen, die auf das Leiharbeitsverhältnis anzuwenden sind (Wenn ein Tarifvertrag gilt, kann der Arbeitsvertrag entsprechend kürzer ausfallen)
  • Für Beschäftigte, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, ist der Arbeitsvertrag auf Verlangen in ihrer Muttersprache zu verfassen

Die Checkliste kann hier heruntergeladen werden
top